Bridging-Therapie

Der Begriff Bridging-Therapie oder Überbrückungstherapie wird in der Medizin in zwei verschiedenen Kontexten verwendet: Zum einen im Zusammenhang mit der Therapie eines akuten Schlaganfalls, worum es in diesem Artikel gehen soll. Zum anderen im Zusammenhang mit oraler Antikoagulation, siehe hierzu unter "Perioperatives Bridging".

Bridging-Therapie bei akutem Schlaganfall

Akute Schlaganfälle, die innerhalb des Lysefensters von 4,5 Stunden einer Behandlung zugeführt werden konnten, wurden über lange Zeit fast ausschließlich mit intravenöser (systemischer) Lysetherapie, beispielsweise mit rekombinantem Plasminogenaktivator (rtPA), behandelt.

Mittlerweile etablieren sich jedoch zumindest für den Teil der Schlaganfall-Patienten, bei dem ein großes Gefäß (distale A. carotis interna oder proximale A. cerebri media) betroffen ist, zunehmend interventionelle Therapien wie die Thrombaspiration und die Thrombusentfernung über mechanische Retrieval-Systeme oder so genannte Stent-Retriever. Diesen Therapiemöglichkeiten wird ein längeres Zeitfenster (6 Stunden nach Symptombeginn) zugesprochen.

Mehrere große im Jahr 2015 veröffentlichte Studien zeigten für diese Patienten eindeutige Vorteile im Outcome bei Thrombusentfernung über ein Stent-Retriever-System (Solitaire-Stent-Retriever): bessere Überlebensraten, weniger zurückbleibende Symptome.

Auch Patienten, die einer solchen interventionellen Therapiemaßnahme zugeführt werden sollen, sollten jedoch, wenn sie innerhalb des Lysefensters behandelt werden können, zunächst eine systemische Lyse erhalten.

Diese systemische Lyse stellt dann die Bridging-Therapie bzw. Überbrückungstherapie bis zur interventionellen Thrombusentfernung dar. Sie kann in einigen Fällen auch große Thromben doch bereits auflösen, verhindert aber ansonsten zumindest den Verschluss weiterer kleiner Gefäße durch Mikrothromben.

Oft wird diese Bridging-Therapie in einem peripheren Krankenhaus durchgeführt und der Patient anschließend an ein Zentrum mit so genannter "Comprehensive Stroke Unit" überwiesen, wo dann im Anschluss die interventionelle Therapie durchgeführt werden kann.

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