Kleinhirnschädigung

Eine Kleinhirnschädigung führt, je nach Ausmaß und Lokalisation der Schädigung, zu typischen neurologischen Symptomen, die oft als Kleinhirnsyndrom zusammengefasst werden.

Symptome

Typische Symptome einer Kleinhirnschädigung sind Gangstörungen, Sprechstörungen (Dysarthrie, skandierende Sprache), Koordinationsstörungen und Ungeschicklichkeit. Sie zeigen sich ipsilateral, also auf der Seite der Schädigung.

Die Störungen der Bewegungskoordination und Haltung fasst man als zerebelläre Ataxie zusammen (im Gegensatz zur spinalen Ataxie, die auf einer Störung sensibler Afferenzen beruht).

Bei Schädigungen im Bereich des Kleinhirnhemisphären (Pontozerebellum) sind vor allem feinmotorische Bewegungen gestört (pathologische Ziel- und Zeigeversuche mit hypo- und hypermetrischen Bewegungen). Es zeigt sich eine ataktische Gangunsicherheit, ein Intentionstremor, eine skandierende Sprache (langsam, abgehackt, verwaschen), Dysdiadochokinese und ein herabgesetzter Muskeltonus.

Schädigungen im Bereich des Kleinhirnwurms (Vermis) dagegen betreffen das Spinozerebellum, das vornehmlich die proximalen Extremitätenbewegungen koordiniert. Die Feinmotorik ist hierbei weniger stark beeinträchtigt, die Bewegungsstörung ist eher stammnah betont. Es besteht eine Rumpfataxie, die beim Gehen zu einer Fallneigung führt und auch das freie Sitzen erschwert. Oft tritt ein pathologischer Nystagmus auf, insbesondere wenn sich die Schädigung in den Bereich von Flucculus und Nodulus (Vestibulozerebellum) fortsetzt.

Die Symptomtrias aus Nystagmus, Intentionstremor und skandierender Sprache wird nach dem französischen Neurologen Jean-Martin Charcot auch als Charcot-Trias bezeichnet.

Ursachen

Die Ursachen für Kleinhirnschädigungen sind vielfältig. Häufig liegt ein alkoholbedingter Kleinhirnschwund nach langjährigem Alkoholmissbrauch vor, auf den das Kleinhirngewebe besonders empflindlich reagiert.

Auch Medikamente, z.B. einige Antikonvulsiva, können Kleinhirnschäden verursachen.
Ebenso kommen, wie auch bei Großhirnläsionen, entzündliche Erkrankungen (z.B. multiple Sklerose), Schlaganfälle, Blutungen, Tumoren, Traumata und degenerative Veränderungen als Ursachen in Betracht.

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